Stat

Montag, 5. November 2012

Zu Allerseelen: Eingedenk der Verstorbenen 2012

Aus der Gemeinde Welda sind seit November 2011 folgende Personen verstorben:

* Frau Alwine Miloschewski (geb. Blömeke)
* Frau Lücke
* Herr Franz Kampe
* Frau Franziska Kuhaupt (geb. Tegethoff)
* Frau Irmgard Temme (geb. Deist)

wir werden ihrer gedenken, mögen sie ruhen in Frieden.

Freitag, 12. Oktober 2012

Welche Folgen hat der Bau von Umgehungsstraßen für kleine Ortschaften?

Seit den 1960ziger Jahren werden in Deutschland und anderswo in der Welt um die geschlossenen Ortschaften vorbeiführende Umgehungsstraßen herumgebaut. Das Ziel dieser Bauprojekte ist es den seit der Nachkriegszeit zunehmenden Durchgangsverkehr an den Ortschaften vorbeizulagern. Diese Änderung wurde verursacht durch den stark wachsendem Individualverkehr. Mit der Baumaßnahme hat man den Verkehr in den Ortschaften und die Zahl der Verkehrsunfälle reduziert. Den Fahrzeuglenkern wird mit durchgängigen und größeren Verkehrsstraßen die mühsame Durchfahrt durch Ortschaften erspart. Dies könnte man als eine Lösung bezeichnen, aus der die Ortsbewohner und die Durchreisenden Vorteile ziehen. Aber es gibt auch einige Nachteile. Hier sind u.a. zu nennen die Landnahme von grünen Flächen durch den zusätzlichen Straßenbau und die gleichzeitige Benachteiligung des öffentlichen Verkehrs. Aber mit den fehlenden Durchreisenden verlieren die Geschäfte auch (Lauf-)Kundschaft und die betroffenen Ortschaften sind gefährdet, weil sie einen ,Lebenspuls' zu verlieren.
In den USA hat ein Geschäftsinhaber aus dem Ort Seligman seit dem Bau der Umgehungsstraße mit einigem Erfolg dafür gekämpft, dass sein Wohn- und Arbeitsort nicht zu stark unter der Umgehungsstraße leiden muss. Der Interstate-Highway machte die bekannte Route 66, welche die West mit der Ostküste verbindet und die viele Ortschaften durchquert obsolet. Es sind keine Studien bekannt, die alle Auswirkungen von Umgehungsstraßen belegen und aufzeigen. Es wäre ein Vergleich wert die Lage von Ortschaften mit und ohne Umgehungsstraße miteinander bzgl. Zahl der Geschäfte und der Lebendigkeit anzustellen. Wahrscheinlich wird man feststellen, dass in Ortschaften ohne Umgehungsstraßen noch mehr Geschäfte als in denen mit Umgehungsstraße existieren. Diese vermutliche Schlussfolgerung soll nicht als ein Plädoyer gegen Umgehungsstraßen missverstanden werden sondern die Frage nach Lösungsansätzen aufwerfen. Denn viele kleine Ortschaften leiden unter dem Rückgang von Geschäften und Leben. Wenn man sich das US-amerikanische Beispiel anschaut zeigt es, dass Privatinitiativen Erfolg haben können. Sie konnte nicht immer auf die Unterstützung der öffentlichen Institutionen und Politik zählen. Mit dem Herausstellen von historischen Alleinstellungsmerkmalen der Ortschaft konnte die Attraktivität eines Besuchs des Ortes Seligman für die Touristen deutlich erhöht werden. D.h. wenn man das Problem richtig erkannt hat und die Lösungsansätze auch richtig umsetzt, dann kann man im Kampf gegen die zunehmende Bedeutungslosigkeit von kleinen Ortschaften erfolgreich sein.

Montag, 27. August 2012

Eurokrise: Droht ein Rückfall in die Renationalisierung?


Die Eurokrise betrifft auch die Bewohner des ländlichen Raums, deshalb ein Beitrag zur Debatte.

In der Diskussion über die Zukunft der Euro-Zone wird immer wieder vor dem Rückfall in die Renationalisierung gewarnt. Aber wie glaubhaft ist dieses Argument?

Die Schaffung einer gemeinsamen Währungsunion könnte als eine Etappe in der Europäischen Politik angesehen werden. Aber die Frage stellt sich schon vorab, warum einige EU-Länder Euro-Mitgliedsstaaten geworden sind und andere nicht? Heute wird offensichtlich, dass die jeweilige Motivation der Mitgliedsstaaten, der Euro-Währungsunion beizutreten, sehr unterschiedlich war. Zudem wurde nicht darauf geachtet, ob die Länder ökonomisch zusammenpassen. Durch Druck Frankreichs wurden wider besseres Wissen Staaten zugelassen, die sich für die Währungsunion nicht eigneten. Diese Motive waren zum Teil nicht von gemeinschaftlichen Idealen getragen, sondern von unterschiedlichen nationalen Interessen. Dies war zum einen die Motivation, die Handlungsfähigkeit der Deutschen Bundesbank einzuschränken und zum anderen, wie sich heute herausstellt, möglichst günstig an Staatsanleihen, wie Deutschland sie bekommt, aber zusätzlich noch in beliebiger Höhe, zu kommen. An der früheren nationalen Weichwährungspolitik wurde aber nach einer Auszeit weiter festgehalten. Diese wurde jedoch ohne Rücksicht auf das geltende Recht und das Vertrauen der Gläubiger ständig gebrochen - man berief sich stets auf eine Notlage. Die Europäische Zentralbank (EZB) bzw. die Währungsunion ist nicht gegründet worden, um die Anleiherenditen zu reduzieren, wie es heute vielfach südliche Länder für sich behaupten. Die deutsche Regierung hat zur Bedingung ihrer Mitgliedschaft in der Eurozone Stabilitätskriterien, Haftungsausschluss-Regeln für Schulden anderer Staaten und für die neue europäische Zentralbank ähnliche Regeln bzw. Strukturen wie bei der Bundesbank eingefordert. Diese Forderungen waren notwendig, da Deutschland bei Nichtbeachtung der währungspolitischen und marktwirtschaftlichen Vernunft am meisten zu verlieren hat. Rückblickend zeigt sich heute, dass sowohl die Kriterien und Regeln als auch die Unabhängigkeit der EZB ständig ignoriert wurden, aber auch, dass selbst die Angaben bei der Aufnahme nicht kritisch überprüft wurden und die Stabilitätskriterien unbrauchbar waren. Denn bei einer schwachen Volkswirtschaft sind 3% Neuverschuldung und 60% Staatsverschuldung noch viel zu hoch. Hier hätte man die Kriterien an die nationale Wirtschaftskraft bzw. an die Handelsbilanz koppeln müssen. Bei der Aussetzung der Bestrafung für die Neuverschuldung hat die deutsche Regierung unter Schröder auch eine Mitschuld bei der Umgehung der Regel, eine höhere Neuverschuldung zu bestrafen, auf sich geladen. Wenn nun die griechische Regierung bei der Meldung von gefälschten Zahlen ihren Eintritt in die Eurozone getrickst hat, dann ist dies auch der nationalen griechischen Politik zuzuschreiben, die unbedingt und koste es was es wolle, in die Eurozone aufgenommen werden wollte. Die Probleme, die zur Krise der Währungsunion führten, sind letztendlich in der Vorrangstellung der jeweiligen nationalen vor gemeinschaftlichen Interessen zu suchen. Vor allem im Zusammenhang mit der höheren nationalen Neuverschuldung. Wenn nun dieses System der Eurozone auseinanderbrechen sollte, dann hat dies seine Gründe in der fehlerhaften Aufnahme von ungeeigneten Mitgliedsstaaten, die zudem noch die Mehrheit als Schuldner gegenüber den Gläubigern in dem EZB-Rat stellen. Weiterhin existiert eine unbegrenzte Haftung ohne eine Zentralmacht, die beschlossene Regeln durchsetzt. So stehen hier die Nationalinteressen einer Lösung im Weg. Wenn die Wiedereinführung von Nationalwährungen oder Süd- und Nordeurowährungen notwendig sein wird, dann hat dies seinen Grund darin, weil die Grenzen der Schuldenumverteilung unter den Mitgliedsstaaten erreicht sind, d.h. sowohl finanziell als auch politisch. Aber auch die geringer werdende Glaubwürdigkeit der zuständigen Politiker und der ,Währungshüter' sowie Verstöße gegen das ursprüngliche Regelsystem der EZB tragen dazu bei. Eine Wiedereinführung der DM wird zwar in der Diskussion immer wieder in Abrede gestellt, aber wenn ein neues System nicht funktioniert, sollte man auf ein bewährtes System zurückgreifen, welches zudem mehr Vertrauen genießt und eine realistischere Geldpolitik betreibt. Der Frust der Verantwortlichen, die das neue Eurozone-System ausgehandelt haben, ist zwar groß und andererseits auch verständlich. Dennoch sollten diese die Größe besitzen, ein Scheitern ihres Systems zuzugeben, wenn sie etwas an Glaubwürdigkeit und Selbstrespekt bewahren wollen. Neue Luftschlösser bauen bringen nichts. Denn nichts ist verheerender, als wenn man Versprechungen nicht nur nicht einhält, sondern auch noch die betroffenen Bürger für die Fehler der Politik haften lässt. Dieses Eingestehen des Scheiterns ist gerade auch deshalb notwendig, weil einem großen Teil der Bevölkerung in der Eurozone durch eine Weiterso-Politik langfristig geschadet wird. Und dies wird letztendlich sehr schädlich sein für die zukünftige europäische Politik insgesamt, auch in anderen Themenfeldern.
Es ist eine Illusion, dass eine supranationale Organisation oder ein europäischer Bundesstaat als Zentralmacht, der nebenbei bemerkt so schnell nicht kommen wird, die Probleme löst. Gerade der Fall Griechenland zeigt, dass ein Staat, welcher nun über 30 Jahre EU-Mitglied ist, immer noch gravierende Mängel im Staatswesen und in der Wirtschaft besitzt. Warum sollte die EU besser funktionieren, wenn sie  noch mehr Souveränitätsrechte hinzu gewinnt?

Aber die Lage ist noch viel schlechter als man denkt. Man hat schlicht vergessen, in die Ausbildung und Förderung von verlässlichen Politikern in Ländern wie Griechenland und einigen Neumitgliedsstaaten wie etwa Rumänien zu investieren. Selbst der von Deutschland favorisierte Technokrat Lucas Papademos hat sich als Enttäuschung herausgestellt. Der jetzige Premierminister Samaras war schon Kabinettsmitglied, als noch Griechenland seine gigantischen Schulden ansammelte. Es sind in Griechenland auch keine politischen Hoffnungsträger in Sicht. Aus der Krise ist auch kein solcher hervorgegangen. Die Personaldecke in der griechischen Politik ist dünn. So ist man in der europäischen Solidargemeinschaft auf Gedeih und Verderb auf politische Harzardeure (Victor Ponta), extremistischen Populisten (Alexis Tsipras) sowie auf korrupte Etablierte schlechthin angewiesen. Die Leser dürfen Silvio Berlusconi in die Kategorie einordnen, die sie mögen. Insgesamt hat die EU dieses Feld unbeachtet gelassen.

Was sind europäische Verträge letztendlich wert, wenn sie nur einseitig und nur bei Bedarf eingehalten werden? Und wenn die europäischen Partner nicht zuverlässig sind? Deutschland macht sich durch Verbindlichkeiten nur erpressbar. Die deutschen Bürger müssen ständig hören, dass die öffentlichen Kassen leer sind, aber in anderen Ländern wird mit dem Geld ganz anders umgegangen. Die Handlungen der angeblichen Euroretter gefährden zudem die freie Marktwirtschaft und unsere Rechtskultur, da sie Prinzipien wie Haftung, (Haushalts-)Autonomie, Verantwortung und Freiheit in Frage stellen und damit ein wirtschaftspolitisches und rechtsstaatliches Chaos herbeiführen. Gerade wenn deutsche Steuerzahler für spanische Regionalbanken, die zudem nicht systemrelevant sind, haften - dann ist das System ad absurdum geführt.

Nicht der Rückfall in nationale Systeme ist also das Problem. Eine Renationalisierung ist vielmehr  die einzig übrigbleibende Lösung, wenn vorrangig nationale Interessen Gemeinschaftsprojekte zum Scheitern bringen. Nationale Systeme sind gemeinschaftlichen Systemen in dieser Hinsicht zudem an Erfahrung, Sachverstand und Struktur weit überlegen.

Donnerstag, 16. August 2012

Raumprobleme löst man mit Raumlösungen

Einige Verantwortliche im ländlichen Raum fragen sich, wie sie junge Leute vor Ort halten bzw. junge Unternehmer in ihren ländlichen Ort anlocken können? Die größten Städte machen es ganz einfach vor. Nach der Ära der Technologiezentren gibt es nun sogenannte Coworking Spaces oder Start-up Büros 2.0. Dies sind Großraumbüros, in denen mehrere Jungunternehmer und Freiberufler nebeneinander, teilweise anfangs kostenlos bzw. zu geringen Kosten ihre Unternehmensbüros aufschlagen. Die Einrichtung und Ausstattung der Räume ist nicht aufwendig und bebaute Räumlichkeiten gibt es in vielen kleineren Orten genug, die von dem demographischen Wandel geprägt sind. Dort sollte es möglich sein, Räumlichkeiten für Jungunternehmer sehr günstig zur Verfügung zu stellen. Mieteinnahmen sollten hier nicht der Leitgedanke sein, denn durch den täglichen Bedarf der Mitarbeiter und durch die Unternehmenspräsenz schlägt jeder Ort indirekt Vorteile. Der letztere Punkt gilt insbesondere, wenn die Unternehmen expandieren und erfolgreich sind und/oder neue Selbständige als Einwohner gewonnen werden. Wenn dann noch weiterführende Schulen und eine oder zwei Universitäten oder Fachhochschulen in der Nähe sind, finden sich in diesen Bildungseinrichtungen Absolventen und Studenten, die sich als Unternehmensgründer in den Großstädten, die keine Coworkiing Spaces besitzen, keine Büros leisten können. Junge Unternehmen in der Wissengesellschaft brauchen keine großen Investitionen, aber sie benötigen zu Beginn ihrer Unternehmensaktivitäten so wenig Nebenkosten wie möglich. Dies macht diese Form der Großraumbüros so attraktiv und dies könnte eine Chance für einige Kleinstädte im ländlichen Raum sein.

Samstag, 11. August 2012

Über die Wahrnehmung von ländlichen Ortschaften

,,Die Langeweile wird hier ab sofort abgeschafft''. ,,Wir sind modern und deshalb sind wir ab sofort auch im Internet (sogar Facebook/Twitter) vertreten.'' Wenn Aktive diese Art von Sprüchen, die zur Vorwärtsverteidigung gezählt werden, verwenden, berücksichtigen die Sprücheerfinder selten, dass diese Sprüche auch gewaltig nach hinten losgehen können. Denn sie verfestigen bzw. bestätigen negative Kritik, die vielleicht so nie aufgefallen wäre.
Negative Aussagen über kleine Ortschaften im ländlichen Gebieten kennt man. Die Bewohner müssen sich oft unberechtigte Kritik anhören. Sie können sich selten eloquent gegen diese Kritik wehren. Für die Gegenargumentation fehlt oft die Muße und Übersicht, Denn man kann die Kritikpunkte auch mal anders sehen. Für einen Fünfjährigen kann ein Trecker und Mähdrescher oder spielen in einem Bachlauf und in der Natur sowie im Wald spannender sein, als ein umzäunter Spielplatz in einer Großstadt. Für Mädchen können Tiere, je nach Alter beispielsweise Pferde ebenso interessant sein. Wenn die Jugendlichen den Schulabschluss erreichen, dann sind ''Nachbar´s Kirschen'', d.h. in diesem Fall die Stadt, wegen dem vielfältigerem Angebot und der Abwechslung manchmal aber nicht für jeden interessanter. Wenn die soziale Umgebung als Enge und Einschränkung empfunden wird, dann wird die Freiheit in der Fremde vorgezogen. Auch das Chillen auf den Bänken vor der Haustür kann für Jung und Alt interessanter sein als das Abendprogramm im Fernsehen, wenn zudem noch Nachbarn und Bekannte vorbeikommen. D.h. man ist vor allem selbst verantwortlich für die Attraktion und Unterhaltung vor Ort. Manche ländliche Orte organisieren eine Menge gemeinsamer Aktivitäten (Schützenfeste, Kirch- und Dorffeste, Nikolaus-Feier, St. Martinszug usw.). Analog zu dem angeblichen Zitat von dem ehemaligen Bundeskanzler Erhard gilt hier ''Kurzweil ist zu 50 Prozent Psychologie''. Aufgrund der geringeren Zahl an Bewohnern lässt sich die Stimmung auch schneller und einfacher ins Positive wenden. Eine gute Stimmung und ein positives Lebensgefühl ist sehr wichtig für jeden Ort. Dazu muss man die Nörgler und Miesmacher erst einmal neutralisieren. Was die Bewohner kleinerer Ortschaften vielleicht besser können, ist eine persönliche Bindung zu Verwandten, Bekannten, Freunden und Fremden aufzubauen und dann diese zu halten. Diesen Vorteil kann man auch für den ländlich geprägten Ort nutzen. Denn Besucher bringen Abwechslung und wenn sie zudem unternehmenslustig sind, etwas vermitteln und Neuigkeiten mitbringen können, profitieren die Bewohner vor Ort davon. Ein Ort wird nur von Außen profitieren können, wenn die Ortsbewohner Ressourcen binden und Leute anziehen. Wer auf neue engagierte Bewohner hofft, ohne sie anzusprechen und sie zu einbinden, der hat das Erfolgsprinzip noch nicht verstanden.

Samstag, 28. Juli 2012

Diskriminierung des ländlichen Raums

,,Kaff, Kuhdorf, der Zug hält an jeder Milchkanne, Provinz, Bauerntrottel'' usw.

Für keine andere Siedlungsstruktur gibt in der Deutschen Sprache soviel abfällige und diskriminierende Wörter, wie für kleine Ortschaften und deren Bewohner im ländlichen Raum. Was ist der Grund für die Diskriminierung? Was und wer steckt dahinter?
Sind es enttäuschte Dorfbewohner oder Leute, die ihren Ursprung auf dem Land haben oder sind es Städter oder steckt dahinter eine Kampagne die Landflucht zu beschleunigen? Ohne die landwirtschaftlichen Erzeugnisse müssten die Bewohner in den Städten verhungern, ohne die Abwanderung der Bewohner, wären Großstädte wie Düsseldorf nicht mal eine Einwohnerzahl einer Kreisstadt. Wenn der ländliche Raum nicht einen höhere Geburtenzahlen gehabt hätte, würde in Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Administration an Personal fehlen. Heute versucht man die fehlenden Mitarbeiter aus dem Ausland zu holen, da sich die Geburtenraten auf dem Land, denen der Stadt annähern.

Bei manchen Personen weckt der Begriff Dorf eine Nostalgie, eine heile Welt, Landleben in schönster Form, Bauernhof mit Hühnern, Schweinen und Kühen. Die kleinen Ortschaften haben im Vergleich zur Stadt vielleicht saubere Luft, teilweise sauberes Wasser, meist weniger Lärmbelästigung und vielleicht noch unverseuchte Böden. Dies Nostalgie führt dazu, dass Zeitschriften über das Landleben heute hohe Auflagen erleben, aber die Realität auf dem Land ist meist eine andere. Die Agrarindustrie dominiert den ländlichen Raum und insbesondere die Neubauten im Dorf. Es gibt zudem kaum noch Bauernhöfe, die die klassische Tierhaltung d.g. Kühe, Schweine, Ziegen und Hühner usw. besitzen, sondern meist sind die Höfe auf eine Tiergattung spezialisiert, aber dafür im großen industriellen Stil. Zudem macht der demographische Wandel den kleinen Orten auf dem Land zu schaffen.

In der Zeit von Hungernöten oder Kriegen hat der ländliche Raum teilweise eine Wertschätzung erfahren, dann nämlich wenn Städte auf dem Land evakuiert wurden und/oder die ländliche Bevölkerung landwirtschaftliche Bevölkerung mit Lebensmittel versorgt hat. Welda hat beispielsweise im ersten Weltkrieg eine Obstsammlung für Bottrop und andere Städte in Ballungsräumen durchgeführt. In Zeiten des weltweiten Handels, ist die Herkunft der Waren wieder interessant geworden, insbesondere bei der biologisch angebauten Produkten.

Die Wertschätzung der Dörfer und des ländlichen Raums ändert sich je nach Lage und Zeitgeist. Die abfälligen Bemerkungen sind eher Ausdruck von Überheblichkeit und falsch verstandener Fortschrittsgläubigkeit, die man in Deutschland speziell häufiger als in anderen Ländern antrifft.

Mittwoch, 20. Juni 2012

,,Das wirkt eher kleinlich und provinziell'''

Bislang wurde mir dieser Ausspruch im Gespräch noch nicht entgegnet, aber wenn ich ihn in Internet-Foren-Beiträgen lese, dann frage ich mich was damit gemeint ist. Zunächst sei die Frage erlaubt, wie man sich die Benutzer dieses Ausspruchs vorstellen kann? Wahrscheinlich gehören sie zu den oberen 10000 der Gesellschaft, Geld- und Existenznöte gab es in deren Leben nicht. Wahrscheinlich sind sie auch international viel unterwegs. Sie gehören quasi zum Jet-Set, heute New York, morgen Dubai und übermorgen Jerusalem oder Paris und Berlin. Man ist halt Kosmopolit oder hält sich dafür. Lumpen läßt man sich nicht, mit den Kleinigkeiten des Lebens gibt man sich nicht ab, ansonsten ist ja alles schrecklich provinziell. Vielleicht kann die Benutzer dieses Ausspruchs vielleicht auch als Verbal-Junker bezeichnen. Der Regisseur und Drehbuchautor Helmut Dietl hat mal in einem Spiegel-Interview im Jahre 1987 eine (geistreiche) Bemerkung gebracht:

,,Es hat mit der Provinzialität zu tun. Mit dieser unglaublichen Provinzialität, die sich also immer mehr, je mehr man in Deutschland eigentlich das Ausland kopiert, einschleicht.''

Bravo Dietl! - er dreht den Spieß um: Dietl will hier diejenigen, die sich in der Nachahmung der Amerikaner selbst genügen und die "deutsch" Gebliebenen als provinzlerisch abzuwerten pflegen, selbst als engstirnige Provinzler verstanden wissen. Für Dietl sind die kritiklosen "Kopierer" also selbst borniert.
Wer dagegen das Provinzialismus-Klischee im landläufigen Sinne verwendet,
versteht dies als Totschlag-Argument und möchte damit eine unliebsame Diskussion abwürgen. Das dadurch beleidigte Gegenüber reagiert in der Regel mit Schweigen. Der Provinzler-Vorwurf stellt nämlich eine handfeste Diskriminierung dar. Denn die Adjektive ''provinziell und kleinlich'' werden abwertend gebraucht. Diejenigen, die von ihren Händen Arbeit und im harten Wettbewerb noch nie ihr tägliches Einkommen bestreiten mussten, können anderen vorschnell und vorlaut vorwerfen kleinlich zu sein, da sie die Lebensbedingungen der kleinen Leute nicht kennen. Wieso wird überhaupt die Provinz abgewertet? Wenn man in Ballungsräume kommt und sie mit dem ländlichen Raum vergleicht, dann fragt man sich welche langweiliger und uninteressanter ist. Wenn gewisse Leute, wie diese Verbal-Junker, die Qualitäten der Provinz nicht erkennen, nicht wertschätzen und mit ihnen nichts anfangen können, dann sollen lieber nichts sagen anstatt billige Kopien von anderer Lebensstile zu imitieren und großspurig aufzutragen. Denn eine Kopie, auch wenn sie international sein soll, kann man eher erkennen und sie wird meist billiger bewertet als ein regionales Original.