Eine Fernsehen-Dokumentation zeigt das Leben im ländlichen Siedlungsraum im Wandel der Zeit, diesmal am Beispiel der Gemeinde Nieheim im Kreis Höxter. Die Aufnahmen entstanden im Winter, so wird der Zuschauer schon in ein trauriges Thema eingestimmt. Die Fakten der leerstehenden Häuser, der schließenden Geschäfte und Schulen, die vor Ort bleibende ältere Generation, sowie der Schwund von 80-90 Einwohner pro Jahr sind Tatsachen, die nicht zu leugnen sind. Aber die jüngere und mittlere Generation wie der heimatverbundende Landarzt, die Familie, in der die Frau Schülerbusfahrten durchführt, um eine Schulschließung zu vermeiden und ihr Mann am freien Tag Sportunterricht für Kinder Verein gibt, der engagierte Bürgermeister, der junge Leute zum Bleiben und zum Wiederkommen überzeugen will, zeigt auch, dass das Problem, wie auch dass der Überverschuldung der Kommune, verstanden ist und dass sie die Zukunft vor Ort gestalten will. Man möchte ihnen mehr Unterstützung außerhalb der Gemarkungsgrenzen wünschen. Wenn das Bundesland schon nicht ausreichend hilft, finden sich vielleicht Paten. Man hilft ja oft ehrenamtlich auch in anderen Ländern und Kontinenten. Auch der ländliche Raum muss weiterentwickelt werden. Was den Zuschauer beeindruckt und dies erinnert an Menschen von anderen Kontinenten, sind die trotz der schwierigen Entwicklung lächelnden und zufriedenen Einwohner, wie beispielsweise der Wirt und seine Cousine, die das letzte Kolonialwarengeschäft im hohen Alter vor Ort führt. Wenn man solche Nachbarn und Mitbewohner hat, dann kann man sich im Grunde glücklich schätzen. Die beiden Hauptherausforderungen sind, dass die Stimmung vor Ort nicht kippt und dass sich ausreichend neue Betriebe vor Ort ansiedeln. Letzteres würde die Abwanderung reduzieren und neue Bewohner in den Ort bringen. Man braucht gar keine Industrie oder Großbetriebe, als heilklimatischer Kurort ist dies auch gar nicht sinnvoll. Kleine mittelständische Unternehmen, aus diversen Branchen würden vorerst reichen. Was die Stimmung angeht, ist Nieheim mit dem Käsemuseum (eigentlich Teil des Westfalen Culinariums, welches auch Brot- Bier- und Schnaps-Museum beherbergen soll), dem Deutschen Käsetag sowie dem Sackmuseum, welches in der Doku nicht gezeigt wurde, kulturell gut aufgestellt. Die Kirchengemeinde und der Jugendraum bieten auch Veranstaltungen und Treffs, wie in der Doku gezeigt, für ältere Frauen und wahrscheinlich auch andere Zielgruppen an. Die Pralinen von der 92- jährigen Dame sind bestimmt auch eine lokale Attraktion. Manchmal können Dokumentationen, wie diese, die Leute motivieren sich noch stärker zu engagieren sowie Chancen zu nutzen und manchmal auch deprimieren oder fatalistisch werden lassen. Die ewigen Nörgler und Schwarzseher sollte man bei dem Wandel im ländlichen Raum nicht die Oberhand gewinnen lassen, denn diese entmutigen nur und verbrauchen die letzten Reserven der aktiven Gestalter. Letztendlich ist die Zukunftsgestaltung des ländlichen Raums, daran denkt man beim Anblick des Trikots des Bürgermeisters, wie ein Fußballspiel, d.h., man muss viele Chancen verwerten, wenig Tore kassieren und man braucht die Unterstützung der Anhänger (Fans) und Sponsoren. Gute Spieler müssen gehalten und angeworben werden, schlechte Spieler muss man ziehen lassen und wie eine Infrastruktur müssen das Spielfeld, das Station und das Image der Spielermannschaft gepflegt bzw. entsprechend umgebaut werden. Etwas zu kurz gekommen in der Dokumentation sind Diskussionen, die die lokalen Probleme und die möglichen Initiativen in der Gruppe besprechen und analysieren, wie dies in der Gruppe der Schulbusfahrerinnen teilweise stattfand. Denn wichtig ist es, von Erfahrungen und guten Initiativen anderer und Erfolgsmethoden zu lernen. Zumindest hat im November d.J. der historische Ratskeller in Nieheim wieder eröffnet, was erst nach den Aufnahmen der Dokumentation geschah. Jetzt kann es mit der Wirtschaft und der Stimmung in Nieheim nur noch bergauf gehen...
Stat
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Samstag, 16. November 2013
Montag, 12. März 2012
Landflucht heute - Die Jugend geht, die Senioren bleiben
Am 6. März 2012 gab es bei 3sat zwei interessante Beiträge zum Leben auf dem Lande. Der eine war ‘Uhlenflug’, ein sensibel beobachtender Dokumentarfilm, der das alltägliche Leben eines alten Bauern beschreibt und dabei den Reichtum des Einfachen entfaltet. Gezeigt wird das Leben eines 73 Jahre alten Bauern, der auf einem alten Bauernhof lebt mit einer Kuh, einem Kälbchen, einer Katze.
Der zweite Film mit dem Titel 'Stadt - Land - Flucht'. an diesem Abend zeigt den “demografischen Wandel” auf Dörfern im Westen der Bundesrepublik. Das klingt verharmlosend. Andere nennen es “Landflucht”: junge Menschen verlassen das Dorf und ziehen in eine Stadt, die älteren bleiben. Häuser stehen leer, beginnen zu verfallen, Schulen und Läden werden geschlossen, die dörfliche Infrastruktur bricht zusammen. Wenn die abwärts verlaufende Spirale einmal eingesetzt hat, ist kaum noch etwas daran zu ändern. Doch manche Menschen wehren sich gegen den
Zerfall. Ein Einzelhändler zum Beispiel will seinen kleinen Kurzwarenladen nicht schließen, obwohl seine Kundschaft ihm und der Region längst den Rücken gekehrt hat. Um die täglich drohende Pleite abzuwenden, arbeitet er noch als Fremdenführer, Schulbus- und Taxifahrer. Eine 72-jährige Ärztin möchte längst verlassene Kasernenanlagen mit aktiven Senioren aus der Stadt bevölkern.
Der erste Teil des Films “Heimat” von Edgar Reitz wurde 1981/82 aufgenommen u.a. in Woppenroth (im Film Schabbach genannt) im Hunsrück. Einer der Drehorte, das Haus von Marie-Goot in der Fallerstraße in Woppenroth, früher ein schönes Hunsrückhaus, ist heute eine Ruine. Für Bürgermeister sind verlassene Häuser, an denen der Zahn der Zeit zu nagen beginnt, ein Alarmzeichen. Bald wird das Dorf unattraktiv für Investoren, Touristen, für Leute, die sich hier vielleicht niederlassen möchten. Meistens fehlt es an öffentlichen Geldern um Projekt zum Erhalt des Dorfes zu finanzieren.
Wenn es Interessenten gibt, die zu einem Schnäppchenpreis alte Häuser erwerben können und wollen, dann wird zumindest ein Teil der Bausubstanz eines Dorfes vor dem weiteren Verfall bewahrt. In Frage kommen Pensionierte, die Naturliebhaber und auf der Suche sind nach einem erschwinglichen Haus bei reduziertem Einkommen. Manchmal gelingt es auch, mit niedrigen Wohnungspreisen junge Familien anzuziehen. Die Chance, dass dies gelingt,
hängt sehr davon ab, ob es in der Nähe Stellenangebote gibt und wie gut die öffentliche Verkehrsanbindung ist und wieviel der Infrastruktur des Dorfes noch intakt ist. Gibt es noch Läden für den täglichen Bedarf? Wie weit ist es bis zum nächsten Arzt? Bei Familien mit schulpflichtigen Kindern spielt auch das Schulangebot eine wesentliche Rolle.
Der Tourismus ist eine weitere Einnahmequelle für den ländlichen Raum. Beim ‘sanften Tourismus’ ist sogar ein Aufwärtstrend zu beobachten bei Urlaubern, die als Wanderer oder mit dem Fahrrad aktive Ferien machen wollen. Kleine Gemeinden in attraktiver landschaftlicher Lage lassen sich dazu etwas einfallen, was selbst mit einem schmalen Gemeindebudget machbar ist. Zum Beispiel der Unterhalt von Wander- oder Radwegen. Abgesehen von der attraktiven landschaftlichen Lage sind weitere Grundvoraussetzungen für den Tourismus nötig. Das sind Restaurants und Hotels bzw. Fremdenzimmer.
Aber wenn einmal die letzte Dorfkneipe zugemacht hat, dann fehlt auch ein wichtiger Katalysator für das soziale Leben im Dorf.
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Aus fremder Feder
Der zweite Film mit dem Titel 'Stadt - Land - Flucht'. an diesem Abend zeigt den “demografischen Wandel” auf Dörfern im Westen der Bundesrepublik. Das klingt verharmlosend. Andere nennen es “Landflucht”: junge Menschen verlassen das Dorf und ziehen in eine Stadt, die älteren bleiben. Häuser stehen leer, beginnen zu verfallen, Schulen und Läden werden geschlossen, die dörfliche Infrastruktur bricht zusammen. Wenn die abwärts verlaufende Spirale einmal eingesetzt hat, ist kaum noch etwas daran zu ändern. Doch manche Menschen wehren sich gegen den
Zerfall. Ein Einzelhändler zum Beispiel will seinen kleinen Kurzwarenladen nicht schließen, obwohl seine Kundschaft ihm und der Region längst den Rücken gekehrt hat. Um die täglich drohende Pleite abzuwenden, arbeitet er noch als Fremdenführer, Schulbus- und Taxifahrer. Eine 72-jährige Ärztin möchte längst verlassene Kasernenanlagen mit aktiven Senioren aus der Stadt bevölkern.
Der erste Teil des Films “Heimat” von Edgar Reitz wurde 1981/82 aufgenommen u.a. in Woppenroth (im Film Schabbach genannt) im Hunsrück. Einer der Drehorte, das Haus von Marie-Goot in der Fallerstraße in Woppenroth, früher ein schönes Hunsrückhaus, ist heute eine Ruine. Für Bürgermeister sind verlassene Häuser, an denen der Zahn der Zeit zu nagen beginnt, ein Alarmzeichen. Bald wird das Dorf unattraktiv für Investoren, Touristen, für Leute, die sich hier vielleicht niederlassen möchten. Meistens fehlt es an öffentlichen Geldern um Projekt zum Erhalt des Dorfes zu finanzieren.
Wenn es Interessenten gibt, die zu einem Schnäppchenpreis alte Häuser erwerben können und wollen, dann wird zumindest ein Teil der Bausubstanz eines Dorfes vor dem weiteren Verfall bewahrt. In Frage kommen Pensionierte, die Naturliebhaber und auf der Suche sind nach einem erschwinglichen Haus bei reduziertem Einkommen. Manchmal gelingt es auch, mit niedrigen Wohnungspreisen junge Familien anzuziehen. Die Chance, dass dies gelingt,
hängt sehr davon ab, ob es in der Nähe Stellenangebote gibt und wie gut die öffentliche Verkehrsanbindung ist und wieviel der Infrastruktur des Dorfes noch intakt ist. Gibt es noch Läden für den täglichen Bedarf? Wie weit ist es bis zum nächsten Arzt? Bei Familien mit schulpflichtigen Kindern spielt auch das Schulangebot eine wesentliche Rolle.
Der Tourismus ist eine weitere Einnahmequelle für den ländlichen Raum. Beim ‘sanften Tourismus’ ist sogar ein Aufwärtstrend zu beobachten bei Urlaubern, die als Wanderer oder mit dem Fahrrad aktive Ferien machen wollen. Kleine Gemeinden in attraktiver landschaftlicher Lage lassen sich dazu etwas einfallen, was selbst mit einem schmalen Gemeindebudget machbar ist. Zum Beispiel der Unterhalt von Wander- oder Radwegen. Abgesehen von der attraktiven landschaftlichen Lage sind weitere Grundvoraussetzungen für den Tourismus nötig. Das sind Restaurants und Hotels bzw. Fremdenzimmer.
Aber wenn einmal die letzte Dorfkneipe zugemacht hat, dann fehlt auch ein wichtiger Katalysator für das soziale Leben im Dorf.
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