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Donnerstag, 3. Januar 2013

Was hat der Ort Welda mit Frankreich zu tun?

Welda, ein westfälischer Ort am ehemaligen kurhessisch-waldeckisch-paderbornischen
Dreiländereck in der Mitte Deutschlands, liegt etwa 400km von der deutsch-französischen Grenze entfernt. Im Januar 2013 feiern Deutschland und Frankreich das 50. Jubiläum der Unterzeichnung des Élysée - Vertrags von 1963. Im öffentlichen Bewusstsein denkt man bei deutsch-französischen Beziehungen meist an Grenzorte und an die damaligen Staatschefs Charles de Gaulle und Konrad Adenauer. Die Geschichte der Ortschaft Welda mitten in Deutschland jedoch zeigt auch andere Verbindungslinien zwischen diesen Staaten.

Die ersten dokumentierten Kontakte kamen durch die französische Armee, die an der Schlacht von Warburg während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) teilnahm. Sie durchquerte das benachbarte Welda und machte dort auch Quartier.

Durch die französische Revolution von 1789 ergaben sich für Welda einigee Folgen.
Im Jahre 1795 wählten die politischen Vertreter in Welda zum ersten Mal einen Nicht-Meier (Kötter) anstatt eines Meiers (Großbauer) zum Bürgermeister. Die sieben Vollmeier beschwerten sich beim Geheimen Rat des Fürstbistums Paderborn, mit der Begründung, dass wohl ,,die Köttere das französische Principium Freiheit und Gleichheit [und Brüderlichkeit] ergriffen hätten. welches aber von einem Hocherw. Geheimden Rathe gnädigst abzuwenden alle Vorsorge treffen werden''.

Und zweitens wenig später, als durch die Französische Revolution unter der Herrschaft der Jakobinier die französischen Geistlichen ihr Land verlassen mussten. Das Fürstbistum Paderborn nahm einige französische Priester auf und setzte sie in ihren Pfarreien wie bespielsweise in Welda ein. Jean Nicolas Rappe blieb von 1796 bis 1808 in Welda. Als Pfarrer hatte er auch die örtliche Schulaufsicht. Der damalige Schulinspektor und Franziskaner Damanzius Himmelhaus vermerkte damals in seinem Report die 'französische Strenge' an dieser Schule.

Französische Trappisten versuchten 1802 eine 'Erziehungsanstalt' auf Schloss Welda zu gründen. Das Hochstift Paderborn wurde 1803 durch die Preussen annektiert. Die damalige preussische "Spezialorganisationskommission" schloss das Projekt 1803 vorzeitig, da ihr die Schule zu streng und die 'Erziehungsmaßnahmen 'unmenschlich' erschienen. Das verwundert eigentlich, denn die Preussen waren ja auch nicht gerade als Weichlinge bekannt. Aber vielleicht hatten die deutschen Schulen Angst vor unliebsamer Konkurrenz. Es zeigten sich schon vor über 200 Jahren markante Unterschiede zwischen dem deutschen und französischen Schulsystem. Ob dies die Entwicklung der heutigen deutschen Schulen erklärt? Es wäre interessant zu wissen, was aus dieser Schulgründung geworden wäre, wenn man sie nicht geschlossen hätte.

Nicht zu vergessen ist gewiss das Königreich Westfalen, das von Napoleon im Jahre 1807 gegründet worden ist. Die Idee, ein Territorium Westfalen einzurichten, war im Ansatz nicht verkehrt. Allerdings weite Teile Westfalens nicht einzugliedern und die Landeshauptstadt in Kassel anzusiedeln, war nicht so ,lustik'. "König Lustik" war der Spitzname von Jérôme Bonaparte, dem Bruder Napoleons. Er regierte damals Westfalen. Die Katholiken verbanden mit ihrer Ansicht nach ebenfalls katholischen Franzosen eine Verbesserung ihrer Position gegenüber der kurz vorher erlebten preussischen Herrschaft. Aber hier kannte man die Ziele der Revolution und des Laizismus nicht gut genug und war deshalb umso mehr enttäuscht. Umgekehrt verstanden die Franzosen nicht, diese Erwartung in der Bevölkerung für sich zu nutzen. Diese französische Zeit hat übrigens französische Begriffe und Lehnwörter in die hochdeutsche und niederdeutsche Sprache gebracht, die als Relikte noch heute erhalten sind. Zudem führten die Franzosen die Emanzipation der Juden, die Abschaffung der Stände und der Leibeigenschaft sowie die Gewerbefreiheit ein.

Einen Bezug zu Frankreich hatte die Weldaer Schriftstellerin Ferdinande von Brakel über ihre 1806 geborene Mutter Charlotte Leontine von Brackel geborene Asbeck. Die Mutter Charlottes war die Marquise Ferdinandine de Ghistelles. Sie war am Französischen Königshof Hofdame, musste aber wegen der Revolution über Belgien nach Deutschland flüchten. Versuche, mehr über diese Familie in Frankreich in Erfahrung zu bringen, scheiterten an dem Antwortverhalten des dortigen historischen Vereins.

Gewiss waren auch Weldaer als rekrutierte Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg bzw. sind da gefallen. Aber es gibt keine spezielle kriegerischen Erinnerungen oder Ressentiments gegen Frankreich. Das Hochstift hatte keine Armee und sie war auch nie bis Frankreich. Im Gegenteil Frankreich war meist die bevorzugte Schutzmacht zu Zeiten des Hochstifts.

Während des Zweiten Weltkriegs waren u.a. auch französische Kriegsgefangene in Welda zur landwirtschaftlichen Arbeit eingesetzt. Die Kontakte zur Weldaer Bevölkerung waren so freundschaftlich, dass nicht wenige dieser Kriegsgefangenen nach dem Krieg regelmäßig zum Besuch nach Welda kamen. Sie waren bei Weldaer Familien untergebracht und brachten auch ihre Familienangehörigen mit. Dabei waren die Verkehrsverbindungen noch sehr schwierig, es gab noch keine Autobahn, die bis in die Region führte.

Fazit: Die Frage, ob Welda vom französischen Einfluss mehr profitiert als Schaden genommen hat, liegt im Auge des Betrachters. Die Französische Revolution hatte sicherlich greifbare Auswirkungen auf Welda. Dies zeigt, dass die deutsch-französischen Beziehungen nicht nur eine Frage der Grenze sind. Das Bild vom Boche, dem ,häßlichen Deutschen', wurde, wie das Beispiel der Kriegsgefangenenkontakte zeigt, relativiert. Versöhnung und menschliches Miteinander stehen hier anstelle von Feindschaft und Hass. So sind nicht zuletzt auch in Welda, mitten in Deutschland, die Grundlagen für die Akzeptanz des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages geschaffen worden. Diese Grundlagen sind nicht immer übertragbar, beispielsweise auf das Verhältnis zwischen Israelis und Araber. P.S.: Übrigens war Westfalen auch ein Zufluchtsgebiet für die Verfolgten der französischen Revolution und somit auch ein Gebiet der deutsch-französischen Begegnung.

Samstag, 3. September 2011

+++ VERMISCHTE MELDUNGEN +++

1) In der ''Warte'' (Regionalzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter) steht in der Sommerausgabe Nr. 150, 2011 ein Artikel mit dem Titel ,,Klara Flore''. Bertens Klärchen, so wie sie hier noch die älteren Bewohner kennen, stammt aus Welda und wohnt nun im Seniorenstift St. Johannes in Warburg. Der Artikel von dem Autor Eckart Hachmann verfasst, berichtet sehr ausführlich über ihr Leben. Sie war eine so gute Schülerin, so dass der Lehrer und der Pastor sie gerne aus das Gymnasium geschickt hätten, aber die Eltern haben dem Vorschlag nicht zugestimmt. Sie hat dann als Näherin in Warburg, danach in einem Haushalt von Dr. Backhaus und danach im Warburger Krankenhaus in der Küche gearbeitet. Bis zum 94. Lebensjahr war sie Küsterin in der Warburger Krankenhauskapelle. Der reich bebilderte Artikel beschreibt exemplarisch das Leben von einfachen Leuten von 1915 bis heute. Er stellt ein gutes Beispiel dar für Mentalitäts- und Alltagsgeschichte. Eigentlich sollte man über alle älteren Bewohner so eine Biographie verfassen. Die gleiche Ausgabe besitzt auch einen Artikel über die Holsterburg (zwischen Warburg-Altstadt und Calenberg) und andere Artikel aus dem Warburger Land (über die Wüstung Sunrike und über Dringenberg). Die Zeitschrift soll zur Zeit in Warburg ausverkauft sein, aber Hefte können nachbestellt werden: entweder im Buchgeschäft Ihres Vertrauens oder direkt beim Kreiskulturamt in Paderborn, wo die Geschäftsstelle Die Warte beheimatet ist.

2) Pater Lukas (Taufname Karl-Hans) Vössing, der Neffe der früheren Weldaer Lehrerin Vössing, die aus Natzungen stammte, ist letzte Woche verstorben. Er war als Kind oft in Welda bei seiner Tante und hat Welda und viele Weldaer Familien, mit denen er befreundet immer wieder bis zu seinem Lebensende besucht. Und die Weldaer haben ihn, wo immer er auch war, besucht. Er hat auch kirchliche Hochzeiten einiger Weldaer Ehepaare zelebriert. Er war Dominikaner und im Auftrag seines Ordens auf mehreren Stationen u.a. zunächst in Warburg, in der Taiwan und zuletzt in Köln, wo er zuletzt im dem Hospiz St. Hedwig arbeitete. Die Beerdigung soll am 6. Sept. 2011 in Köln stattfinden. R.I.P. Hier geht es zur Traueranzeige.

3) Zur Zeit wird in Welda der Internetanbieter bei vielen Internetkunden gewechselt. Die Firma SeWiKom aus Beverungen bietet eine höhere DSL-Bandbreite an. In Welda haben sich viele Interessenten, über 40 Kunden, gemeldet. Diese Zahl an Kunden pro Ort bzw. Einwohner ist im Kreis Höxter sehr hoch. Mit einer Antenne des Sewinets werden die Kunden über Richtfunk mit einer Datenrate von bis zu 10 Mbit/s (eine andere Quelle meint sogar bis 16 Mbit/s) versorgt. Die höhere Bandbreite erlaubt den Internetnutzern einen schnelleren Zugriff auf Webseiten und Dateien hoch- bzw. auch herunterzuladen. Den Zeitgewinn können die Internetnutzer nun für Gemeinschaftsaktivitäten in Welda, für die Familie, für Begegnungen aufwenden. Aber zur Zeit scheint es, dass die Firma vor Ort wohl noch mit technischen Problemen kämpft. Das Sewinet war scheinbar noch nicht von Anfang an stabil. Durch die Portierung, welche die Firma durchgeführt hat, wurden einige Weldaer Kunden schon von ihrem Telekom-Anschluss abgeschaltet. Sie müssen nun ohne Internet ausharren bis sie in den Genuss der schnelleren Verbindung kommen.

4) Das diesjährige Dorffest war ein voller Erfolg. Es war nur etwas kalt, dafür blieb es trocken und die Sonne kam zeitweise durch. Später mehr dazu...

Samstag, 7. August 2010

24h-Tour durch Welda

Wenn Sie nur 24 Stunden in Welda verbringen können, was würden Sie in dieser Zeit unternehmen?

Erster Tag (Ankunft)

* Besuch von Verwandten, Bekannten oder Freunden oder des Friedhofs in Welda

* Abendessen in einem der Gasthäuser mit Küche (entweder im Gasthaus '''Zentral/Pferdestall''' oder '''Zur Twiste''' mit Biergarten)

* Chill-out entweder im '''Kulturbahnhof''' bekannt unter dem Namen KUBA (Musik hören und tanzen) oder '''Zum Treppchen''' (gemütlich Bier trinken und klönen)

Nacht: Unterkunft privat oder in einem Hotel oder in einer Pension (Warburg oder Volkmarsen)

Zweiter Tag (Abfahrt)

* St. Kilian-Kirche besuchen: Mittwoch Abend und Samstag Abend oder Sonntag Morgen (je nach Jahreswechsel mit dem Nachbarort): Heilige Messe

* anschließend Frühschoppen in einer der vier Weldaer Kneipen

* Mittagessen in einem der Gasthäuser mit Küche

* Schloßgelände besichtigen (Privatbesitz) oder Konzertveranstaltung beiwohnen im Festsaal (Sonntag nachmittags)

* Spaziergang durch den Ort oder zum Iberg (Drei-Steine, ehemalige Dreiländereck) oder (wenn Angelschein vorhanden) Angeln in den Weldaer Gewässern oder alternativ bei schlechtem Wetter die heimatkundliche Sammlung besuchen

* Abfahrt

Wer hat bessere Ideen?