Ab Samstag, den 9. Juni 2012 wird Kassel für 100 Tage wieder der Ort der zeitgenössischen Kunst aus aller Welt sein. Kassel ein Ort in der Mitte Deutschlands wird sowohl durch die 150 Künstler aus 55 Ländern als auch durch die Besucher zeitweise international. Was bedeuten diese 100 Tage für Kassel? Zuerst bedeutet es eine lange Vorbereitung und viele Ausgaben, danach eine Attraktion und manche sehen primär die Einnahmen durch Tickets und Übernachtungen und Verpflegungen. Aber das wichtigste ist der Kontakt mit und Inspiration durch die Kunst.
Diese Kunst scheint so manchem Menschen abstrakt. Menschen, die so denken, leben nicht nur auf dem Land sondern auch in den Städten. Es gibt heute viel mehr Installations- und Aktionskünstler als früher. Die Kunst hat sich andere Wege gesucht. Diese Kunst muss vor allem erklärt oder interpretiert werden. Dies mögen die Gründe sein, weshalb sich so manche Betrachter nach klassischer Kunst sehnen, die bekannte Formen verwendet. Die abstrakte Kunst ist eher etwas für zeitgenössische Künstler selbst und für das Fachpublikum. Die Inspirationen und die Anregungen sind aber wichtig, um aus faden, eingetrampelten Pfaden herauszutreten und neue Wege zu gehen. Gerade in der Mitte Deutschland, in der Logistik-Branche auch Mitte D genannt, wo sich Strassen und Bahnstrecken aus allen Himmelrichtungen sich kreuzen sind, ist Kreativität gefragt und wird an der Kunsthochschule und Uni produziert.
Die heutige Kunst nutzt die Provokation, um auf sich aufmerksam zu machen. Dies ist ein Teil des Marketings. Die Übergänge von der Protestkultur zur Kunst sind fließend. Auch die Naturwissenschaften (Anton Zeilinger) sind vertreten, man kann fraktale Bilder, Computerzeichnungen sowie Videoinstallationen sehen. Kunst ist heute vielfältiger und näher. Die Menschen haben nicht immer die Ehrfurcht vor der künstlerischen Leistung, wie in früheren Tagen bzw. wie vor der Kunst der früheren Tage. Die heutige Kunst muss man nicht lieben, wie ein Rembrandt-Bild, heutige Kunst muss man auch nicht ästhetisch finden oder sich mit ihr anfreunden, wie beispielsweise die Gebetsmaschinen von Thomas Bayrle. Manche glauben, dass moderne Kunstwerke eher originell sind und die Kunstfertigkeit nicht mehr gebraucht wird. Installationskünstler wie David Weiss schaff(t)en Installationen, die scheinbar einfach und profan sind. So einfach, dass einige Leute glauben, dies ein jeder machen kann. Aber sie irren, denn die Kreativität und die Umsetzung von Ideen ist nicht jedem gegeben.
Die Kunst lebt nicht von der Provokation, aber die Provokation belebt die Aufmerksamkeit auf die Kunst. Die Kunst lebt von der Kreativität und Umsetzung der kreativen Ideen durch die Künstler. Die Künstler leben materiell von den Einnahmen, Stipendien und ideell von dem Applaus, dem Zuspruch, ihrer zunehmenden Bekanntheit und Anerkennung. Dass die Welt der Künstler nicht notwendigerweise real und bürgerlich ist, zeigt deren divenhaften Verhalten und leider auch als Kehrseite bei weniger erfolgreichen Künstlern, nämlich deren bittere Armut.
Wenn man manche Orte im heutigen Deutschland anschaut, fragt man sich, wo die Kunst in der Neuzeit geblieben ist? Ältere Bauwerke und Straßenzüge werden als ästhetische Kunstwerke geschätzt. Die Neubauten sind eher funktional und schlicht. Vielleicht hilft die Auseinandersetzung mit der Kunst sich mehr darüber Gedanken zu machen. Vielleicht entsteht so der eine oder andere Impuls sich mehr für die Kunst im ländlichen Raum einzusetzen. Kassel wird für 100 Tage ein Zentrum, ja die Hauptstadt, der modernen Kunst sein. Unter den Kreativen ist Kassel und die weitere Umgebung heute schon ein Geheimtipp, wie der neue Wohnort dieses weit gereisten Künstlers und diese Ausstellung vermuten lassen.
Stat
Samstag, 2. Juni 2012
Dienstag, 22. Mai 2012
Alte Fachwerkhäuser in den Ortschaften
Idyllische Bilder und Ansichten von Ortschaften mit vielen Fachwerkhäusern kennt fast ein jeder. Diese sind oft eine Augenweide für die Betrachter und werden vom Tourismus als Motiv für Werbebroschüren gewählt. In alten Fachwerkhäusern wohnen möchten aber weniger Menschen als Betrachter. Aber warum sind die Fachwerkhäuser so unattraktiv als Wohnhaus? Die Gründe dafür sind die kleinen Fenster d.h. wenig Tageslicht, niedrige Decken, knarzende Böden, meist eine regelmäßige Reparaturbedürftigkeit der Zwischenräume (des Gefachs) und der höhere Wärmeverbrauch. Und dies, obwohl die Baumaterialien Lehm und Holz als Gegensatz zu Beton und Kunststoff gegenwärtig eine Renaissance erleben. Lehm besitzt einige interessante Eigenschaften und auch das Holz als Naturstoff und die Skelettbauweise haben einige Vorteile. Der Lehm dient auch als Wärmespeicher und wirkt luftfeuchtigkeitsregulierend und soll im Sommer die Innenräume kühl halten. In den 1960ziger Jahren haben viele Besitzer Faserzementplatten (auch als Eternitplatten bekannt) an die Fassaden ihrer Fachwerkhäuser anbringen lassen, die nun schwierig, wegen der Umweltschutzauflagen für Asbest, zu entsorgen sind. Bei einigen Fachwerkhäusern hilft nur eine Entkernung des Gebäudes bzw. eine Grundsanierung. Dies kommt meist so teuer, wie ein Neubau. Nun sind alte Fachwerkhäuser auch meist klein und haben innerhalb der Ortschaften keinen anliegenden Gärten. Die Gärten der Besitzer lagen früher meist außerhalb des Orts. Dagegen sind neugebaute Einfamilienhäuser den zeitgenössischen Wohnbedürfnissen der Bewohner angepasst. Dort befindet sich ein Garten rings um das Haus, gut isoliert. Die Garagen sind in oder am Haus integriert. Die Häuser sind meist vollständig aus Stein gebaut, die Wärmeisolierung entspricht neusten Stand der Technik.
So haben sich die Besitzer, wenn sie im Ort blieben, meist einen Neubau in der Neubausiedlung errichtet, andere bzw. deren Kinder sind weggezogen. So stehen nicht wenige Fachwerkhäuser unbewohnt und warten auf ihr Schicksal: Abbruch oder Grundsanierung. Viele Fachwerkhäuser wurden in den 1960ziger und 1970ziger Jahren ohne Not abgerissen.
Im westfälischen Warburg an der Diemel zahlt die Kommune eine Prämie an die Neubesitzer von alten und leerstehenden Häusern in den Ortsteilen, quasi als Anschubfinanzierung für die notwendigen Renovierungen und um die Leerstände zu reduzieren. Im nordhessischen Wanfried an der Werra, unweit der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in den letzten 20 Jahren halbiert. Im Ort gibt es viele Fachwerkhäuser. Einige Niederländer haben diese alte leerstehende Fachwerkhäuser für sich entdeckt. Insbesondere kinderlose und selbstständige Paare nutzen diese Art von Häuser für sich als Zweitwohnsitz oder als Wohn- und Arbeitsstätte. Etwa 10 niederländische Besitzer wohnen schon vor Ort. Die Immobilien sind aus niederländischer Sicht sehr günstig. Die meisten von ihnen haben im Durchschnitt nach dem Hauserwerb für den Umbau 75,000€ investiert. Wichtig für den Erfolg dieser Art von Ansiedlung ist neben einem schmucken Ortskern ein gesellschaftliche und kulturelles Leben vor Ort, eine Offenheit sowie gute menschliche Beziehungen zwischen den Neuzugezogenen und den Einheimischen. Und nicht ganz unwichtig, der örtliche Verantwortliche wusste gewiss auch, wie er die Interessenten anzusprechen hatte.
So haben sich die Besitzer, wenn sie im Ort blieben, meist einen Neubau in der Neubausiedlung errichtet, andere bzw. deren Kinder sind weggezogen. So stehen nicht wenige Fachwerkhäuser unbewohnt und warten auf ihr Schicksal: Abbruch oder Grundsanierung. Viele Fachwerkhäuser wurden in den 1960ziger und 1970ziger Jahren ohne Not abgerissen.
Im westfälischen Warburg an der Diemel zahlt die Kommune eine Prämie an die Neubesitzer von alten und leerstehenden Häusern in den Ortsteilen, quasi als Anschubfinanzierung für die notwendigen Renovierungen und um die Leerstände zu reduzieren. Im nordhessischen Wanfried an der Werra, unweit der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in den letzten 20 Jahren halbiert. Im Ort gibt es viele Fachwerkhäuser. Einige Niederländer haben diese alte leerstehende Fachwerkhäuser für sich entdeckt. Insbesondere kinderlose und selbstständige Paare nutzen diese Art von Häuser für sich als Zweitwohnsitz oder als Wohn- und Arbeitsstätte. Etwa 10 niederländische Besitzer wohnen schon vor Ort. Die Immobilien sind aus niederländischer Sicht sehr günstig. Die meisten von ihnen haben im Durchschnitt nach dem Hauserwerb für den Umbau 75,000€ investiert. Wichtig für den Erfolg dieser Art von Ansiedlung ist neben einem schmucken Ortskern ein gesellschaftliche und kulturelles Leben vor Ort, eine Offenheit sowie gute menschliche Beziehungen zwischen den Neuzugezogenen und den Einheimischen. Und nicht ganz unwichtig, der örtliche Verantwortliche wusste gewiss auch, wie er die Interessenten anzusprechen hatte.
Montag, 9. April 2012
Kneipensterben in Deutschland -- Welda als Phänomen
Welda, ein Ort mit 850 Einwohnern, ist mit den vier ''real existierenden'' Gaststätten nicht nur in der Region Hochstift Paderborn und im benachbarten Nordhessen ein Phänomen. Denn in vielen anderen Ortschaften der Region und selbst in manchen Ortsteilen des Warburger Stadtgebiets existiert kein einziges Wirtshaus mehr.
Eine neue Studie hat das Kneipensterben in den letzten 10 Jahren untersucht. In diesem Zeitraum wurden 12,000 Schankbetriebe in Deutschland geschlossen. Ein Teilergebnis der Studie lautet: Während in Niedersachsen und Hamburg das Kneipensterben in diesem Zeitraum besonders hoch war, hat sich die Zahl der Kneipen in Berlin fast verdoppelt. Ein Diskutant meint, dass in Hamburg die Bierpreise im Vergleich zu Berlin höher wären. Dies soll ein Grund für diese Diskrepanz sein. Andere führen den Grund für die vielen Schließungen auf das Rauchverbot für Gaststätten zurück. Die Argumentation in den Artikeln und in der Diskussion verläuft etwas in der Richtung: Haltet den Dieb! Während der Schankbetrieb in Vereinshäusern als eine Ursache für die Entwicklung gesehen wird, meint ein hoher Landespolitiker, dass die Feuerwehrhäuser mit eigener Bierzapfanlage Schuld an dieser Entwicklung wären. In Bayern gibt es in 500 der insgesamt 2200 Ortschaften kein einziges Wirtshaus mehr. Manche sehen auch die Senkung der Promillegrenze für Kraftfahrzeugführer als Grund für das Kneipensterben.
Der Professor für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingelstadt Dr. Florian Kohnle, der zur Zeit eine Studie zum Thema erarbeitet, äußert sich so: "Mit dem Wirtshaus verschwindet eine Einrichtung mit hohem sozialen und kulturellen Stellenwert aus den Gemeinden". Dies sind erhebende Worte, aber ein schwacher Trost für die Bewohner von Ortschafen ohne Wirtshaus. Ist denn in Berlin wirklich der Bedarf an Errichtungen mit sozialem und kulturellem Stellenwert gestiegen und gibt es in Berlin weniger Vereine mit Zapfanlagen als im Rest des Landes?
Neben dem Wandel in der Gesellschaft, zählt heute, dass die Menschen ein anderes Freizeitverhalten, eine veränderte Arbeitswelt sowie eine andere Mobilität besitzen. Wo gibt es noch Stammtische nach dem sonntäglichen Gottesdienst? In welchen Ortschaften gibt es denn noch Gottesdienste jeden Sonntag? Wo beschaffen sich die Leute die neusten Informationen und wo werden diese diskutiert?
Man darf nicht vergessen, dass manche Wirtshäuser geschlossen werden, weil keine Nachfolger gefunden werden. Zudem geben die Banken den Wirten für die Eröffnung und Renovierung von Gasthäusern auch keine Kredite mehr. Auch die Brauereien finanzieren die Wirtshauseinrichtungen, die exklusiv ihr Bier ausschenken, nicht mehr so leicht wie früher. Bei der Übergabe einer Gastwirtschaft werden zudem die zu erfüllenden Bedingungen an die Schanklizenzen von den Behörden stetig erhöht. Die Überregulierung des Staates macht somit den Erhalt und die Fortführung der Wirtshäuser auch nicht leichter. Wenn dann noch Vereine als ''Konkurrenzbetriebe'' auftreten, dann ist der Umsatz und somit das monatliche Auskommen der Betreiber, in den ohnehin umsatzschwachen Ortschaften, gefährdet. Insgesamt kann man den Wirten nichts vorwerfen, wenn sie ihre Schankbetriebe aufgeben. Denn in anderen Berufen verdienen oft mehr und zudem haben sie meist in anderen Berufen auch angenehmere Arbeitszeiten. Und für sozio-kulturelle Arbeit gibt es keine finanzielle Zulagen.
Eine neue Studie hat das Kneipensterben in den letzten 10 Jahren untersucht. In diesem Zeitraum wurden 12,000 Schankbetriebe in Deutschland geschlossen. Ein Teilergebnis der Studie lautet: Während in Niedersachsen und Hamburg das Kneipensterben in diesem Zeitraum besonders hoch war, hat sich die Zahl der Kneipen in Berlin fast verdoppelt. Ein Diskutant meint, dass in Hamburg die Bierpreise im Vergleich zu Berlin höher wären. Dies soll ein Grund für diese Diskrepanz sein. Andere führen den Grund für die vielen Schließungen auf das Rauchverbot für Gaststätten zurück. Die Argumentation in den Artikeln und in der Diskussion verläuft etwas in der Richtung: Haltet den Dieb! Während der Schankbetrieb in Vereinshäusern als eine Ursache für die Entwicklung gesehen wird, meint ein hoher Landespolitiker, dass die Feuerwehrhäuser mit eigener Bierzapfanlage Schuld an dieser Entwicklung wären. In Bayern gibt es in 500 der insgesamt 2200 Ortschaften kein einziges Wirtshaus mehr. Manche sehen auch die Senkung der Promillegrenze für Kraftfahrzeugführer als Grund für das Kneipensterben.
Der Professor für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingelstadt Dr. Florian Kohnle, der zur Zeit eine Studie zum Thema erarbeitet, äußert sich so: "Mit dem Wirtshaus verschwindet eine Einrichtung mit hohem sozialen und kulturellen Stellenwert aus den Gemeinden". Dies sind erhebende Worte, aber ein schwacher Trost für die Bewohner von Ortschafen ohne Wirtshaus. Ist denn in Berlin wirklich der Bedarf an Errichtungen mit sozialem und kulturellem Stellenwert gestiegen und gibt es in Berlin weniger Vereine mit Zapfanlagen als im Rest des Landes?
Neben dem Wandel in der Gesellschaft, zählt heute, dass die Menschen ein anderes Freizeitverhalten, eine veränderte Arbeitswelt sowie eine andere Mobilität besitzen. Wo gibt es noch Stammtische nach dem sonntäglichen Gottesdienst? In welchen Ortschaften gibt es denn noch Gottesdienste jeden Sonntag? Wo beschaffen sich die Leute die neusten Informationen und wo werden diese diskutiert?
Man darf nicht vergessen, dass manche Wirtshäuser geschlossen werden, weil keine Nachfolger gefunden werden. Zudem geben die Banken den Wirten für die Eröffnung und Renovierung von Gasthäusern auch keine Kredite mehr. Auch die Brauereien finanzieren die Wirtshauseinrichtungen, die exklusiv ihr Bier ausschenken, nicht mehr so leicht wie früher. Bei der Übergabe einer Gastwirtschaft werden zudem die zu erfüllenden Bedingungen an die Schanklizenzen von den Behörden stetig erhöht. Die Überregulierung des Staates macht somit den Erhalt und die Fortführung der Wirtshäuser auch nicht leichter. Wenn dann noch Vereine als ''Konkurrenzbetriebe'' auftreten, dann ist der Umsatz und somit das monatliche Auskommen der Betreiber, in den ohnehin umsatzschwachen Ortschaften, gefährdet. Insgesamt kann man den Wirten nichts vorwerfen, wenn sie ihre Schankbetriebe aufgeben. Denn in anderen Berufen verdienen oft mehr und zudem haben sie meist in anderen Berufen auch angenehmere Arbeitszeiten. Und für sozio-kulturelle Arbeit gibt es keine finanzielle Zulagen.
Samstag, 7. April 2012
Damit die Kirche im Dorf bleibt -- Ein Gedanke zur Nutzung von Kirchengebäuden
Überlagert aber unabhängig vom demographischen Faktor ist auch die zudem rückläufige Zahl an Kirchenbesuchern, auch in dem ländlichen Raum. Die meisten kleineren Ortschaften haben, anders als früher, keinen Pfarrer mehr vor Ort wohnen. In einer Zeit in der es an Priestern, in der katholischen Kirche, mangelt und in der auch die Kirchensteuereinnahmen rückläufig sind, wird die pastorale Versorgung neu strukturiert, mit der Konsequenz, dass es nicht mehr jeden Sonntag einen Gottesdienst in jedem Ort geben wird. Mit den fehlenden Gottesdiensten, die ja bislang die Hauptnutzung eines Kirchengebäudes ausgemacht haben, stellt sich die Frage, was machen mit dem Kirchengebäude? Ein Planer eines ländlichen Raums hat sich mal in einem Vortrag folgendermaßen geäußert: ,,und wenn die Kirche im Dorf ungenutzt bleibt, dann stellt sich die Frage, ob Aktivitäten zur Erhaltung des Orts überhaupt noch Sinn machen''. In vielen französischen Dörfern gibt es leerstehende Kirchen, in denen es meist nur zu den christlichen Hochfesten Gottesdienste gibt. Dort sind die politischen Gemeinden für den Erhalt der Kirchengebäude verantwortlich, sofern sie vor 1904 gebaut wurden. Manche politischen Gemeinden kommen dieser Aufgabe mehr oder weniger nach. Wenn die Nutzung durch Gottesdienste so gering ist, dann muss man sich vor Ort in Deutschland fragen, wer den Unterhalt des Gebäudes finanzieren soll? Die Antwort ist abhängig von der vorausschauenden Weitsicht der Verantwortlichen vor Ort. Es gibt mehrere Möglichkeiten eine Kirche parallel zu nutzen. Diese Doppelnutzung kann für eine Übergangsphase sein, aber auch für einen Dauerzustand. Die weitere Nutzung ist zum Teil abhängig von den Eigenschaften der Kirchen selbst. Ist die Akustik und die Orgel gut? Dann eignet sich das Kirchengebäude für Konzertveranstaltungen. Hat es dieses Potential nicht, kann es vielleicht als Museum mitgenutzt werden. In den französischen Alpen in der Chartreuse hat eine Gemeinde einem Künstler, auch Arcabas genannt, eine Kirche zur künstlerischen Ausgestaltung zur Verfügung gestellt. Dieses Kirchengebäude bzw. Museum zieht viele Besucher an. Aber es gibt auch viele andere Lösungen, welche davon umgesetzt wird, hängt von der Kreativität und Entscheidungsfindung der Verantwortlichen und von der Akzeptanz der Lösung in der Bevölkerung ab. Im westfälischen Weckinghausen bei Soest (Erzbistum Paderborn) haben schon 1975 die Bewohner in Eigeninitiative eine Kapelle vor dem Abriss gerettet und restauriert.
Montag, 12. März 2012
Landflucht heute - Die Jugend geht, die Senioren bleiben
Am 6. März 2012 gab es bei 3sat zwei interessante Beiträge zum Leben auf dem Lande. Der eine war ‘Uhlenflug’, ein sensibel beobachtender Dokumentarfilm, der das alltägliche Leben eines alten Bauern beschreibt und dabei den Reichtum des Einfachen entfaltet. Gezeigt wird das Leben eines 73 Jahre alten Bauern, der auf einem alten Bauernhof lebt mit einer Kuh, einem Kälbchen, einer Katze.
Der zweite Film mit dem Titel 'Stadt - Land - Flucht'. an diesem Abend zeigt den “demografischen Wandel” auf Dörfern im Westen der Bundesrepublik. Das klingt verharmlosend. Andere nennen es “Landflucht”: junge Menschen verlassen das Dorf und ziehen in eine Stadt, die älteren bleiben. Häuser stehen leer, beginnen zu verfallen, Schulen und Läden werden geschlossen, die dörfliche Infrastruktur bricht zusammen. Wenn die abwärts verlaufende Spirale einmal eingesetzt hat, ist kaum noch etwas daran zu ändern. Doch manche Menschen wehren sich gegen den
Zerfall. Ein Einzelhändler zum Beispiel will seinen kleinen Kurzwarenladen nicht schließen, obwohl seine Kundschaft ihm und der Region längst den Rücken gekehrt hat. Um die täglich drohende Pleite abzuwenden, arbeitet er noch als Fremdenführer, Schulbus- und Taxifahrer. Eine 72-jährige Ärztin möchte längst verlassene Kasernenanlagen mit aktiven Senioren aus der Stadt bevölkern.
Der erste Teil des Films “Heimat” von Edgar Reitz wurde 1981/82 aufgenommen u.a. in Woppenroth (im Film Schabbach genannt) im Hunsrück. Einer der Drehorte, das Haus von Marie-Goot in der Fallerstraße in Woppenroth, früher ein schönes Hunsrückhaus, ist heute eine Ruine. Für Bürgermeister sind verlassene Häuser, an denen der Zahn der Zeit zu nagen beginnt, ein Alarmzeichen. Bald wird das Dorf unattraktiv für Investoren, Touristen, für Leute, die sich hier vielleicht niederlassen möchten. Meistens fehlt es an öffentlichen Geldern um Projekt zum Erhalt des Dorfes zu finanzieren.
Wenn es Interessenten gibt, die zu einem Schnäppchenpreis alte Häuser erwerben können und wollen, dann wird zumindest ein Teil der Bausubstanz eines Dorfes vor dem weiteren Verfall bewahrt. In Frage kommen Pensionierte, die Naturliebhaber und auf der Suche sind nach einem erschwinglichen Haus bei reduziertem Einkommen. Manchmal gelingt es auch, mit niedrigen Wohnungspreisen junge Familien anzuziehen. Die Chance, dass dies gelingt,
hängt sehr davon ab, ob es in der Nähe Stellenangebote gibt und wie gut die öffentliche Verkehrsanbindung ist und wieviel der Infrastruktur des Dorfes noch intakt ist. Gibt es noch Läden für den täglichen Bedarf? Wie weit ist es bis zum nächsten Arzt? Bei Familien mit schulpflichtigen Kindern spielt auch das Schulangebot eine wesentliche Rolle.
Der Tourismus ist eine weitere Einnahmequelle für den ländlichen Raum. Beim ‘sanften Tourismus’ ist sogar ein Aufwärtstrend zu beobachten bei Urlaubern, die als Wanderer oder mit dem Fahrrad aktive Ferien machen wollen. Kleine Gemeinden in attraktiver landschaftlicher Lage lassen sich dazu etwas einfallen, was selbst mit einem schmalen Gemeindebudget machbar ist. Zum Beispiel der Unterhalt von Wander- oder Radwegen. Abgesehen von der attraktiven landschaftlichen Lage sind weitere Grundvoraussetzungen für den Tourismus nötig. Das sind Restaurants und Hotels bzw. Fremdenzimmer.
Aber wenn einmal die letzte Dorfkneipe zugemacht hat, dann fehlt auch ein wichtiger Katalysator für das soziale Leben im Dorf.
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Aus fremder Feder
Der zweite Film mit dem Titel 'Stadt - Land - Flucht'. an diesem Abend zeigt den “demografischen Wandel” auf Dörfern im Westen der Bundesrepublik. Das klingt verharmlosend. Andere nennen es “Landflucht”: junge Menschen verlassen das Dorf und ziehen in eine Stadt, die älteren bleiben. Häuser stehen leer, beginnen zu verfallen, Schulen und Läden werden geschlossen, die dörfliche Infrastruktur bricht zusammen. Wenn die abwärts verlaufende Spirale einmal eingesetzt hat, ist kaum noch etwas daran zu ändern. Doch manche Menschen wehren sich gegen den
Zerfall. Ein Einzelhändler zum Beispiel will seinen kleinen Kurzwarenladen nicht schließen, obwohl seine Kundschaft ihm und der Region längst den Rücken gekehrt hat. Um die täglich drohende Pleite abzuwenden, arbeitet er noch als Fremdenführer, Schulbus- und Taxifahrer. Eine 72-jährige Ärztin möchte längst verlassene Kasernenanlagen mit aktiven Senioren aus der Stadt bevölkern.
Der erste Teil des Films “Heimat” von Edgar Reitz wurde 1981/82 aufgenommen u.a. in Woppenroth (im Film Schabbach genannt) im Hunsrück. Einer der Drehorte, das Haus von Marie-Goot in der Fallerstraße in Woppenroth, früher ein schönes Hunsrückhaus, ist heute eine Ruine. Für Bürgermeister sind verlassene Häuser, an denen der Zahn der Zeit zu nagen beginnt, ein Alarmzeichen. Bald wird das Dorf unattraktiv für Investoren, Touristen, für Leute, die sich hier vielleicht niederlassen möchten. Meistens fehlt es an öffentlichen Geldern um Projekt zum Erhalt des Dorfes zu finanzieren.
Wenn es Interessenten gibt, die zu einem Schnäppchenpreis alte Häuser erwerben können und wollen, dann wird zumindest ein Teil der Bausubstanz eines Dorfes vor dem weiteren Verfall bewahrt. In Frage kommen Pensionierte, die Naturliebhaber und auf der Suche sind nach einem erschwinglichen Haus bei reduziertem Einkommen. Manchmal gelingt es auch, mit niedrigen Wohnungspreisen junge Familien anzuziehen. Die Chance, dass dies gelingt,
hängt sehr davon ab, ob es in der Nähe Stellenangebote gibt und wie gut die öffentliche Verkehrsanbindung ist und wieviel der Infrastruktur des Dorfes noch intakt ist. Gibt es noch Läden für den täglichen Bedarf? Wie weit ist es bis zum nächsten Arzt? Bei Familien mit schulpflichtigen Kindern spielt auch das Schulangebot eine wesentliche Rolle.
Der Tourismus ist eine weitere Einnahmequelle für den ländlichen Raum. Beim ‘sanften Tourismus’ ist sogar ein Aufwärtstrend zu beobachten bei Urlaubern, die als Wanderer oder mit dem Fahrrad aktive Ferien machen wollen. Kleine Gemeinden in attraktiver landschaftlicher Lage lassen sich dazu etwas einfallen, was selbst mit einem schmalen Gemeindebudget machbar ist. Zum Beispiel der Unterhalt von Wander- oder Radwegen. Abgesehen von der attraktiven landschaftlichen Lage sind weitere Grundvoraussetzungen für den Tourismus nötig. Das sind Restaurants und Hotels bzw. Fremdenzimmer.
Aber wenn einmal die letzte Dorfkneipe zugemacht hat, dann fehlt auch ein wichtiger Katalysator für das soziale Leben im Dorf.
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Aus fremder Feder
Samstag, 10. März 2012
Dorfladen 2.0
Das Stichwort Dorfladen ist ein Dauerthema in fast jeder kleinen Ortschaft. Ein Beispiel aus dem Emsland, in der Ortschaft Apeldorn zeigt, wie Unternehmertum, Eigeninitiative und Ortsverbundenheit in einer Person diese Herausforderung zum Erfolg bringen kann. Die Partei bzw. die Politik ist hier eher ein zufälliges Randprodukt und tut eigentlich nichts zur Sache. Einige Zutaten für dieses Erfolgsrezept sind Eigenverantwortung und Risikobereitschaft. Wichtig ist es auch mit den Leuten regelmäßig zu reden. Wo kann man dies besser als im eigenen Geschäft? Der Erfolg der Dorfläden ist von der Akzeptanz der örtlichen Bevölkerung abhängig. Die Umsätze der Dorfläden sind meist aufgrund der Kundenreichweite beschränkt. Aber wenn man dort als Kunde Erzeugnisse kaufen kann, die wirklich gut sind und man diese nicht überall kaufen kann, dann kommt die Kundschaft auch von weit her. Wenn der Service der Dorfläden auch noch die Beschaffung von Produkten beinhaltet, für deren Einkauf man sonst in entfernt liegende Städte fahren muss, dann spricht dies einige Kundenschichten an. Dies kann den Umsatz zusätzlich steigern. Die Hauptfrage ist, kann ein Dorfladen die Existenz des Personals absichern? Wie das Personal bezahlt wird, ob durch Umsatzrendite, Genossenschaftsbeiträge, Angestelltenbezüge oder öffentliche Zuschüsse ist abhängig von der Risikobereitschaft des Personals bzw. des Unternehmers und dem Bedürfnis der Bevölkerung eine Grundversorgung vor Ort haben bzw. deren Bereitschaft für diese Dienstleistung bezahlen zu wollen.
Freitag, 9. März 2012
Weltfrauentag und der ländliche Raum
Jährlich am 8. März wird der Weltfrauentag begangen. Am gleichen Tag wird in einigen östlichen Ländern (Russland, Ukraine, Balkan usw.) auch Muttertag gefeiert. Der Weltfrauentag, auch internationaler Frauentag genannt, wurde von den Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden ausgerufen und weltweit von Frauenorganisationen am 8. März begangen. Seit einigen Jahren werden in den Kirchen jedes Jahr Frauen in einem anderen Land gedacht. Die Anfänge des Weltfrauentags gehen auf Clara Zetkin, etwa in der Zeit um den Ersten Weltkriegs, zurück. Auch wenn sich in der Zwischenzeit einiges getan hat, so gibt es immer noch viele Unterschiede zwischen den Rechten der Geschlechter. In der letzten Woche wurde eine Studie veröffentlicht, die aufgezeigt hat, dass die Unterschiede im Lohnniveau zwischen Männern und Frauen in einigen Unternehmen immer noch markant sind. Die Besetzung von leitenden Funktionen in Unternehmen durch mehr Frauen ist zur Zeit auch in der politischen Diskussion. Auch wenn die Frauen im ländlichen Raum, im Nachhinein von den rechtlichen und beruflichen Verbesserungen teilweise profitieren, wird der Situation der ländlichen Frauen bislang am wenigsten gedacht.
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